Der Wechsel der Formel 1 von ESPN zu Apple TV hinterlässt im US-Markt deutliche Spuren. Nach Daten des Analyseunternehmens Samba erreicht die Rennserie in ihrer ersten Saison beim neuen Streamingpartner wesentlich weniger Haushalte als noch im Vorjahr. Das berichtet USA Today. Besonders drastisch zeigt sich das beim Grand Prix von Miami: Die gemessene Reichweite liegt dort 68 Prozent unter dem Vorjahreswert. Das Rennen in Monaco kommt auf ein Minus von 66 Prozent.
Insgesamt fällt die Bilanz bei acht der neun von Samba untersuchten Rennen schwächer aus. Nur der Grand Prix von Japan kommt auf das gleiche Reichweiten-Niveau wie im Vorjahr. Zum Saisonauftakt waren die Unterschiede noch relativ klein: Australien verlor vier Prozent, China lediglich ein Prozent. Seit dem Rennen in Miami geht es allerdings bei jedem untersuchten Grand Prix zweistellig nach unten.
Ein Grund dafür dürfte schlicht die Verbreitung sein: 2025 waren mehrere Rennen zusätzlich über ABC zu sehen und damit für praktisch alle US-Fernsehhaushalte erreichbar. ESPN selbst erreicht laut den zitierten Zahlen mehr als 60 Millionen Haushalte. Wie viele Menschen tatsächlich Apple TV abonniert haben, ist dagegen nicht öffentlich bekannt. Für 2024 wurden rund 45 Millionen abgeschlossene Abonnements genannt. Trainings und ausgewählte Rennwochenenden können zudem teilweise ohne kostenpflichtiges Abo verfolgt werden.
Wer einschaltet, bleibt länger dran

Samba liefert auch eine mögliche Erklärung für die sinkenden Reichweiten. Ein Teil des Publikums könnte Apple TV zunächst über einen kostenlosen Probezeitraum ausprobiert und danach auf ein dauerhaftes Abo verzichtet haben. Das würde erklären, warum die Formel 1 zwar viele Haushalte erreicht, diese aber nicht dauerhaft auf der Plattform bleiben. Gleichzeitig zeigt sich, dass der Motorsport Apple TV durchaus neue Nutzer und Nutzerinnen beschert.
Bei der reinen Reichweite endet die Geschichte allerdings nicht. Die Formel 1 meldet für die laufende Saison insgesamt 13 Prozent mehr gesehene Stunden als 2025. Auch Samba beobachtet, dass die verbliebenen Zuschauer und Zuschauerinnen deutlich länger zuschauen. Beim Grand Prix von Australien stieg die durchschnittliche Sehdauer pro Haushalt um 127 Prozent, in Monaco sogar um 113 Prozent. Weniger Haushalte schauen also, und diejenigen, die einschalten, bleiben dafür deutlich länger dabei.
Interessant ist zudem, dass rund 30 Prozent der Formel-1-Fans 2026 Apple TV in der zweiten Hälfte des Jahres 2025 überhaupt nicht genutzt hatten. Die Rennserie bringt damit offenbar eine neue Publikumsgruppe auf die Plattform. Ob sich daraus langfristige Abonnements entwickeln, muss sich noch zeigen, denn für Apple ist die Formel 1 ohnehin nur ein Baustein der Sportstrategie.
Eine ähnlich große Expansion in Europa bleibt vorerst schwierig, weil Sky in mehreren wichtigen Märkten langfristige Rechte besitzt, darunter auch in Deutschland. Apple TV streamt hierzulande Inhalte der US-amerikanischen Fussballliga MLS sowie ausgewählte Spiele der Baseball-Liga MLB. Apple TV kostet monatlich 9,99 Euro und kann vorher eine Woche lang kostenlos ausprobiert werden.
