Sonos-CEO: Kein kleiner 25 Euro-Speaker wie Echo Dot geplant

Interview mit dem TIME Magazine

Der Markt für kabellose Lautsprecher ist groß und hart umkämpft. Gerade vernetzte Smart Speaker sind auf dem Vormarsch, und in diesem Bereich versuchen vor allem die großen Tech-Konzerne wie Apple, Google und Amazon entsprechende Marktanteile zu gewinnen. Mit Sonos gibt es seit einigen Jahren einen Konkurrenten, der mit den eigenen Produkten eher eine Nischenfunktion erfüllt.

In einem Interview mit dem TIME Magazine berichtete nun Sonos-CEO Patrick Spence unter anderem über die Herausforderungen des Marktes, seine frühere Tätigkeit als Manager vom Blackberry-Konzern RIM, die Nutzung von Sonos-Patenten, Innovationen und über den Konkurrenzdruck der Branche.


Patrick Spence ist seit 2017 CEO von Sonos und arbeitet aktuell daran, sich für einen Gesetzesentwurf des US-Senats stark zu machen, der wettbewerbswidriges Verhalten großer Tech-Konzerne wie Amazon-Google, Meta und Co. unterbinden soll. Spence habe sich laut TIME stark für die Maßnahme eingesetzt, die den Hersteller von Premium-Soundsystemen und andere Unternehmen schützen würde. „Sie sind nicht mehr in der Lage, ihre Macht und ihre Bilanzen zu nutzen, um die Konkurrenz zu vernichten“, sagt Spence, der auch dafür bekannt ist, sich über Big Tech auszulassen.

Auch Sonos sieht sich immer wieder mit der großen Konkurrenz konfrontiert. Als das Unternehmen 2002 an den Start ging, entwickelte man sich trotz der Bedrohung durch große Konkurrenten sehr gut – auch, weil man sich gegen die großen Player zur Wehr setzte. „Das Unternehmen wehrte sich gegen Googles Aufstieg bei den intelligenten Lautsprechern, indem es eine Beschwerde bei der U.S. International Trade Commission einreichte“, berichtet TIME. „Im Januar untersagte die ITC Google die Einfuhr von Produkten, die fünf Sonos-Patente nutzen.“ Nichtsdestotrotz fühlt sich Sonos wohl in der Rolle des Underdogs. „Als Außenseiter konzentriert man sich auf Innovation, Wettbewerb und einen einzigartigen Kundenservice“, erklärt Spence gegenüber TIME.

„Wir haben in puncto Datenschutz und Geschwindigkeit nachgelegt“

Seine Zeit bei RIM hat den Sonos-CEO geprägt, auch im Hinblick auf das Verhalten bezüglich der Konkurrenz. Während RIM nach dem Release des ersten iPhones versuchte, eine entsprechende Antwort zu liefern – und damit scheiterte und den Untergang des BlackBerrys einläutete – gibt man sich bei Sonos nun gelassener.

„Im Nachhinein betrachtet hätte RIM den nächstbesten BlackBerry bauen sollen und nicht eine Antwort auf das iPhone. Mit [dem Blackberry] Storm haben wir ein Jahrzehnt der Kundentreue und einen großen Teil unseres Rufs für großartige Produkte weggeworfen. Das hat mich paranoid gemacht, was die Reaktion von Sonos auf die Bedrohungen durch die Konkurrenz angeht.

Als Amazon und Google mit kleinen 25-Dollar-Lautsprechern auf den Markt kamen, gab es eine Fraktion innerhalb von Sonos, die sagte: ‚Wir können einen besseren 25-Dollar-Lautsprecher bauen als diese Unternehmen‘. Ich sagte: ‚Genau das werden wir nicht tun, denn ich habe so etwas schon einmal mitgemacht.’ Wir haben also nicht reagiert, indem wir direkt mit diesen Unternehmen konkurriert und alles verraten haben, worum es uns geht. Stattdessen haben wir ihre Dienste genutzt, indem wir zum Beispiel ihre Sprachassistenten auf einem sehr innovativen Sonos-Lautsprecher angeboten haben, der mehrere Assistenten unterstützen kann.“

Im Vergleich zu den meisten Big Tech-Unternehmen, die „alle Ihre Daten auf verschiedene Weise zu Geld machen wollen“, verfolge man bei Sonos einen anderen Weg, so Spence.

„Wir haben in puncto Datenschutz und Geschwindigkeit noch einmal nachgelegt. Anstatt alle Daten in die Cloud zu senden, haben wir uns darauf konzentriert, den Sonos-Sprachassistenten lokal im Haus auszuführen. Auf diese Weise respektieren wir die Wünsche unserer Kunden. Wir wachsen weiter und navigieren die Giganten, weil wir einen einzigartigen Platz auf dem Markt haben.“

Mit Patrick Spence an der Spitze von Sonos hat das Unternehmen zudem zugelegt, was die Veröffentlichung neuer Produkte angeht. Mindestens zwei neue Produkte pro Jahr will man auf den Markt bringen. Spence begründet die Innovationskraft unter anderem mit der Einrichtung von zwei neuen Teams, die sich auf Ideen und Prototypen konzentrieren, aber auch mit einem spannenden Hintergedanken.

„Es hat uns an den Punkt gebracht, an dem wir sagen: ‚Hier ist etwas Großartiges, das wir bauen können, ohne uns in Perfektion zu verlieren, dem Feind von Großartigkeit.‘ Wenn man nach Perfektion strebt, wird man nie etwas liefern. Kulturell gesehen war das ein großer Durchbruch.“

Das hohe Pensum will man auch in Zukunft beibehalten. Dazu investiert Sonos laut Patrick Spence mehr in Forschung und Entwicklung, um neue Konzepte, Ideen und Partnerschaften voranzutreiben.

„Meine wichtigste Aufgabe besteht wohl darin, die Menschen mit der Tatsache vertraut zu machen, dass sich die Dinge ändern. Ich arbeite daran, sicherzustellen, dass wir uns anpassen.“

Wie es scheint, ist Sonos dieser Schritt bereits gelungen. Das lesenswerte Interview könnt ihr in englischer Sprache auf der Website vom TIME Magazine nachlesen.

Foto 1: Sonos.

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