Magic Earth: Datenschutzfreundliche Navigation, die Google Maps den Kampf ansagt

Magic Earth: Datenschutzfreundliche Navigation, die Google Maps den Kampf ansagt

Kostengünstig und auf Privatsphäre bedacht

Eine Person hält ein iPad mit geöffneter Magic Earth-App in der Hand

Die Unzufriedenheit mit den Datenpraktiken großer Technologiekonzerne wächst: Mit ihr entsteht der Wunsch bei vielen iPhone-Usern, sich auch von Google-Diensten zu emanzipieren. Google Maps ist zwar praktisch, doch die Navigations-App sammelt detaillierte Bewegungsprofile der Nutzer und Nutzerinnen, und teilt diese Daten mit dem Werbenetzwerk des Konzerns. Eine der überzeugendsten Alternativen auf dem iOS-Markt heißt Magic Earth, das auf Open-Source-Kartendaten setzt und Privatsphäre in den Mittelpunkt stellt.

Magic Earth verwendet Karten von OpenStreetMap (OSM), einem gemeinschaftlich gepflegten, frei zugänglichen Kartenprojekt. Die Karten werden demnach nicht von einem Unternehmen kontrolliert, sondern von einer weltweiten Community aus Freiwilligen gepflegt und laufend aktualisiert, ähnlich dem Prinzip von Wikipedia. Für viele User ist dies nicht nur eine technische Entscheidung, sondern eine politische: Open Source-Kartenmaterial statt proprietärer Infrastruktur, Gemeinschaft statt Konzernkontrolle.


Der Funktionsumfang von Magic Earth ist beeindruckend und hält den Vergleich mit der Konkurrenz im App Store stand. Die App bietet eine Turn-by-Turn-Navigation mit Sprachausgabe, 3D-Gebäude und -Landschaften, Infos für öffentliche Verkehrsmittel, Wetter und POIs, Geschwindigkeitswarnungen, einen Fahrspur-Assistenten, Hinweise für Radarkameras, Offline-Karten für alle Regionen der Welt, einen integrierten Fahrrad- und Fußgängermodus sowie eine spezielle Wanderkarte. Auch eine Unterstützung für die Apple Watch ist gegeben. Besonders praktisch: Einmal heruntergeladene Karten funktionieren vollständig ohne Internetverbindung, was sich vor allem beim Reisen ins Ausland oder in funkarmen Gebieten als großer Vorteil erweisen kann. Auch Echtzeit-Verkehrsdaten sind integriert, sofern eine Netzwerkverbindung besteht.

In erster Linie Navigations-App anstelle von Entdeckungsplattform

Drei iPhone-Screenshots von Magic Earth
So sieht Magic Earth auf einem iPhone aus.

Das Datenschutzversprechen von Magic Earth ist eines ihrer stärksten Verkaufsargumente. Laut Entwicklerangaben werden keinerlei Nutzerdaten an Dritte weitergegeben und keine Bewegungsprofile erstellt. Die App kommt zudem ohne Nutzerkonto aus: Man öffnet sie einfach und navigiert los. Im Vergleich dazu verlangt Google Maps zwar kein Konto, erfasst aber standardmäßig umfangreiche Standortdaten. Für Nutzer und Nutzerinnen, die Apple-Dienste bevorzugen und im Zuge von einer Big Tech-Abkehr auf das Google-Ökosystem verzichten wollen, schließt Magic Earth daher eine wichtige Lücke.

Natürlich hat die App auch ihre Schwächen: Die Qualität von OpenStreetMap-Daten variiert je nach Region erheblich. In deutschen Großstädten sind die Karten oft hervorragend gepflegt, während abgelegene ländliche Gebiete mancher Länder lückenhafter sein können als in Google Maps. Auch bei der Suche nach Points of Interest wie Restaurants oder Geschäften ist Google Maps nach wie vor führend, denn der Konzern verfügt über jahrzehntelange Datensätze und Bewertungssysteme. Magic Earth ist zusammengefasst daher in erster Linie eine Navigations-App und keine umfassende Entdeckungsplattform.

Die App steht exemplarisch für eine wachsende Bewegung im Tech-Bereich: Nutzer, die nicht länger bereit sind, ihre Daten als Gegenleistung für kostenlose Dienste zu akzeptieren. In einer Welt, in der Privatsphäre zunehmend als Luxusgut gilt, ist es umso erfreulicher, eine App zu entdecken, die beides bietet. Bereits im vergangenen Jahr konnte Magic Earth durch die zunehmende Kritik an Big Tech-Konzernen einen Zuwachs von rund 250 Prozent in nur sechs Wochen vermelden.

Wer Interesse an Magic Earth gefunden hat, kann die App für iPhones, iPads und die Apple Watch kostenlos im deutschen App Store (App Store-Link) herunterladen. Die Installation benötigt neben rund 108 MB auch mindestens iOS/iPadOS 16.0 oder watchOS 10.0 oder neuer, auch eine deutsche Lokalisierung ist vorhanden. Für Extras wie eine verkehrsgesteuerte Navigation, eine Aktivitätsaufzeichnung, Offline-Karten und einen Höhenkartenstil steht ein Premium-Tarif für 14,99 Euro im App Store bereit. Auf der Website von Magic Earth gibt es die Premium-Lizenz für 6 Euro inklusive einer kostenlosen Testphase.

‎Magic Earth Navigation & Karte
‎Magic Earth Navigation & Karte

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Mel
Ich bin seit 2011 Teil des appgefahren-Redaktionsteams und war schon immer an Innovationen im Tech-Bereich und Gadgets interessiert. Wann immer es praktisches Outdoor-Zubehör oder interessante Foto-Apps gibt, bin ich Feuer und Flamme, denn auch in meiner Freizeit bin ich gerne mit dem Rad oder der iPhone-Kamera unterwegs. Seit einiger Zeit nutze ich aktiv das Fediverse und berichte über neue Apps, Dienste und Entwicklungen.

Kommentare 13 Antworten

    1. Und auch mit dem heutigen Update: Geschätzte Ankunftszeit gilt für nächsten Wegpunkt statt für das Ziel, wie es vor V9.2 war. Diese hirnverbrannte Modifikation ist deshalb so ärgerlich, weil die Ankunftszeit unübertroffen genau und damit sehr nützlich berechnet würde.

  1. Ein Besuch in der Grundschule würde dir gut tun.

    Nutzer und Nutzerin ist Singular
    Nutzer und Nurzerinnen ist plural

    Mel spricht also schlicht mehrere an.

    Problematischer im Artikel ist eher dass auch dann trotzdem mal von Nutzer, User oder Usern geschrieben wird. Auch da müsste man dann richtig Gendern und somit von Nutzer und Nutzerinnen bzw. User und Userinnen verwenden.

    PS
    Das Wort „User“ ist ein klassisches Beispiel für ein Anglizismus, der im Deutschen mittlerweile fest etabliert und somit eingedeutscht ist.

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