W Social: Neue Plattform soll die europäische Antwort auf X sein

Betaversion soll in diesem Februar an den Start gehen

Ein iPhone mit installierten Social Media-Apps liegt auf einem Tisch

Ohne zu viel auf die aktuelle politische Lage in Europa und den USA einzugehen, ergibt es zum gegenwärtigen Zeitpunkt durchaus Sinn, dass sich die EU auf unabhängige und in Europa entwickelte Software-Lösungen konzentriert. Das Bundesland Schleswig-Holstein macht es bereits vor und hat von Microsoft Office-Lösungen zu Open-Source-Programmen gewechselt.

Auch im Hinblick auf privat und beruflich genutzte soziale Netzwerke setzt gerade ein Umdenken ein. Viele der beliebtesten Plattformen gehören Big Tech-Unternehmen aus den USA, sei es Facebook, WhatsApp, Instagram und Threads, die zum Meta-Konzern von Mark Zuckerberg gehören oder X von Elon Musk. Auch Bluesky, YouTube, Snapchat, LinkedIn und Reddit stammen aus US-amerikanischer Hand.


Nun macht die deutsche Juristin und frühere eBay-Managerin Anna Zeiter, 46, damals zuständig für das gesamte nicht-amerikanische Geschäft und weltweite Datenschutz-Angelegenheiten, mit einem neuen Projekt auf sich aufmerksam. Sie soll eine europäische Antwort auf X, früher als Twitter bekannt, liefern, und Europa aus der technologischen Abhängigkeit der USA herausführen.

Das neue geplante Netzwerk heißt „W Social“, das „W“ soll dabei für „We“ und große Fragen des investigativen Journalismus stehen: Wer, Wie, Was, Wann, Wo und Warum. Darüber hinaus bestehe der Buchstabe „W“ aus zwei „V“, die jeweils für „Values“ (dt. Werte) und „Verified“ (dt. bestätigt) stehen sollen. Dies berichtet Anna Zeiter in einem Bericht des Schweizer Mediums Bilanz.

Laut Zeiter soll W Social eine „bessere Version von Twitter“ sein. „Positive, respektvolle Kommunikation soll gefördert werden“. Dazu will der Kurznachrichtendienst auch eine verpflichtende Verifizierung der Nutzer und Nutzerinnen vorschreiben, um Fake-Accounts und Bots von der Nutzung der Plattform auszuschließen. So sollen Falschmeldungen und Propaganda-Inhalte vermieden werden. Darüber hinaus soll es möglich sein, sich Beiträge aus einer anderen Filterblase anzeigen zu lassen. Die Daten von W Social sollen dezentral in Europa von europäischen Firmen gehostet werden.

Früherer Vizekanzler Philipp Rösler unterstützt W Social

Weltkarte mit Herkunft sozialer Netzwerke, um Europa ist ein leerer Kreis eingezeichnet
So sieht die Weltkarte der W Social-Website aus.

Wie Bilanz berichtet, plant Anna Zeiter und W Social, eine erste Betaversion bereits im Februar zu veröffentlichen. Gegen Ende dieses Jahres möchte man dann die Pforten für alle Interessierten offiziell öffnen. Schon jetzt unterstützen W Social einige bekannte Gesichter, darunter der frühere deutsche Vizekanzler Philipp Rösler, Cristina Caffara von EuroStack und zwei ehemalige schwedische Minister. Die Finanzierung erfolgt in großen Teilen von schwedischen Tech-Investoren. Bilanz nennt beispielsweise Ingmar Rentzhog, „CEO und Gründer von ‚We Don’t Have Time‘, einer klimapolitischen Medien- und Aktivismusplattform aus Stockholm.“

Schon jetzt gibt es eine Website für W Social, die allerdings noch wenig aussagekräftig ist. Es wird allerdings deutlich, dass die Early-Access-Nutzung der Plattform wohl auf Einladungen und entsprechenden Codes beruht. Was verwundert, ist die Grafik der Website, die andeutet, dass es in Europa keine eigenen sozialen Netzwerke und Plattformen gäbe.

Mit Mastodon, einem dezentralen Microblogging-Dienst aus der Feder des Berliner Entwicklers Eugen Rochko, besteht allerdings schon seit 2016 eine europäische Alternative zu X, die zudem kostenlos und werbefrei ist. Der Kurznachrichtendienst auf Open Source-Basis zählt mittlerweile mehr als 15 Millionen Nutzer und Nutzerinnen und verfügt auch über zahlreiche Drittanbieter-Clients für iOS, iPadOS und macOS. Auch wir sind dort seit einiger Zeit mit einem eigenen Account vertreten.

Es bleibt also abzuwarten, ob und wie sich W Social auf dem europäischen Markt durchsetzen kann. Mit Mastodon gibt es bereits eine Big Tech-freie Gratislösung, die ohne große Investoren im Hintergrund auskommt und aufgrund ihrer dezentralen Struktur nicht von ebensolchen aufgekauft werden kann. Eine einheitliche Plattform anstelle vieler kleiner Splitter-Netzwerke scheint für Europa in diesen herausfordernden Zeiten eher angebracht zu sein – warum konzentriert man sich nicht auf die Verbreitung und Integration von Lösungen, die bereits vorhanden sind?

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Ich bin seit 2011 Teil des appgefahren-Redaktionsteams und war schon immer an Innovationen im Tech-Bereich und Gadgets interessiert. Wann immer es praktisches Outdoor-Zubehör oder interessante Foto-Apps gibt, bin ich Feuer und Flamme, denn auch in meiner Freizeit bin ich gerne mit dem Rad oder der iPhone-Kamera unterwegs. Seit einiger Zeit nutze ich aktiv das Fediverse und berichte über neue Apps, Dienste und Entwicklungen.

Kommentare 24 Antworten

      1. T wie „Truth Social“? Oder C wie Bluesky-Copycat? 😅 Wobei, es ist ja noch nicht einmal eine Bluesky-Kopie, es ist einfach nur Bluesky. Die jetzt dort zu sehenden Posts stammen alle von dort, das Interface ist exakt dasselbe und an mehreren Stellen steht auch noch tatsächlich „Bluesky“, statt „WSocial“ 🙈

  1. Ich wette 1.000 EUR darauf, dass es riesiger Flopp wird. Wie absolut alles, was die EU oder Deutschland bisher gemacht hat – ich sag nur PayPal Konkurrenz.

    Alleine der Name ist ein Desaster. Das W steht für We. Englisch 6, bitte setzen. „W Social“ wird in der EU „Doubleju social“ ausgesprochen. Nicht „We social“. Hervorragend. Das W stünde für zwei V. Jo, da kommt jeder drauf und auf Values (Werte, ja, das erste an was ich bei Social Media Plattformen denke) und Verified (interessiert mittlerweile absolut niemanden mehr) kommt man sofort.

    Die große Masse – und die ist entscheidend – interessiert sich absolut Null dafür, wo etwas ist. Es muss funktionieren, gut sein und Preis/Leistung muss stimmen. Aus der EU oder Deutschland kommt immer nur: Oh, die sind da aber mega erfolgreich, Mist, das kommt aus den USA oder China, wieso haben wir sowas nicht? Das müssen wir unbedingt auch machen, dann können wir sagen, dass das von hier sei.

    Super! Genau so funktioniert Marktwirtschaft. Um Leute dazu zu bringen, von dem, was sie bisher nutzen, zu wechseln, muss man etwas GRAVIEREND Besseres bieten. Dass es von hier ist, dass die Daten hier liegen/bleiben, interessiert die kritische Masse nicht, die für einen Erfolg notwendig ist. Ergo: Absoluter Flopp und Nieschenprodukt für Nerds.

    1. Du meinst also, alle Bürger der EU und Deutschland produzieren nur Flops? (wobei ich mich frage, woher dann unser Wohlstand kommt? vermutlich war früher alles besser :D)
      Und ich hoffe, Dir ist auch aufgefallen, dass das Tool weder „von der EU“, noch „von Deutschland“ ist…..

      Und falls es ein Flop werden sollte: Es gibt davon unzählige, z.b. auch bei Google usw. usw.
      „Fail fast, fail often“ ist nicht nur Bullshit-Bingo.
      Ja und stimmt: Die grosse Masse, die sich absolut null interessiert (und, falls wir Pech haben, ebenso wenig versteht), bringt uns nicht nach vorn 🙂

      1. Der wurde von unseren Großeltern und unseren Eltern erschaffen. Also von der Generationen Zero und X, zuletzt von den Boomern.
        Heute wird all das was aufgebaut wurde nur noch verwaltet und kaputtgewirtschaftet.
        Innovationen gehen gegen Null, und die derzeitige Generation Z wird noch erleben dass das hart erarbeitete Geld sich nur einmal ausgeben lässt und wenn nichts neues dazukommt gibt es auch nichts mehr zu hinterlassen.
        Wird also noch spaßig werden für die Schulschwänzer und Straßenkleber sowie das was danach kommt. Die Chinesen lachen sich schon heute kaputt.

        Von dem von dir angesprochenen Wohlstand wird nämlich nichts mehr übrig bleiben, aber das juckt mich dann nicht mehr weil ich dann längst Vergangenheit bin. Den Moralisten aber wird der eisige Wind der Realität ins Gesicht blasen.

        1. Freut mich für meinen Sohn der Gen Alpha ist, der kann das was die Gen Z sich nicht mehr leisten kann gut und günstig aneignen, Kapital genügend da. Eventuell machen es sogar wir noch, wenn Last Gen sich ihr Erbe nicht leisten können, denn wir Millennials könnten und können uns das noch leisten, sind dabei aber nicht so Dumm wie die Boomer dir nicht kapiert haben dass man vorher Schenkungen in Rahmen des Freibetrages machen kann.

  2. Mastodon hat kaum Relevanz, auch weil der Umganz aufgrund der dezentralen Struktur nervig ist. Die 15 Millionen User würde ich nicht überschätzen. Ich kenne mehrere Leute, die sich mal testweise angemeldet haben und sich kopfschüttelnd wieder verabschiedet haben. Die Usability ist unterirdisch.

      1. Blödsinn, bei Mastodon sind auch CDU-ler wie Ruprecht Polenz und Michael Blume sehr aktiv und auch gerne gesehen. Auch die Vorsitzende der EU-Kommission. Dort funktioniert die Diskussionskultur noch.

    1. Noch so ne Fake News. Heute hat sich die Social Media Verantwortliche der EU Kommission angemeldet und ist begeistert. Sie hat schon bald mehr Follower, als bei Bluesky. Awet Tesfaiesus, die erste schwarze Frau im Bundestag, die auch erst seit November bei Mastodon ist, hat ihre Bluesky-Follower bereits fast um den Faktor 3 hinter sich gelassen. Und der Volksverpetzer, obwohl er leider Bluesky priorisiert, habt bei Mastodon zumindest gleich viele Follwer 🤷🏻‍♂️

      Ausprobieren, dann reden!

  3. Was typisch deutsch inzwischen geworden ist, ist das meckern und negative Gedankengut.
    Hier sind Gott sei Dank einige Beiträge was ältere Generationen in unserem Land wahrhaft großartiges geleistet haben. Die, die da immer so negatives verbreiten, krempel doch mal Deine Ärmel hoch und mach was!
    Und das allerschlimmste es wird schon etwas schlecht geredet bevor es überhaupt auf den Markt ist!?!?!
    Sollten die anderen vielleicht auch über Dich (der da so negativ ist) auch im Vorfeld über Dich urteilen, ohne zu wissen, ob Du soviel besseres kannst……

    1. Na, Hauptsache Mastodon als echte europäische Alternative schlecht machen, aber bei einem gehypten Bluesky-Klon dann lieber abwiegeln 😅

    2. Du wirfst da grad einiges zusammen. Das hat nichts mit typisch Deutsch zu tun, sondern mit Intelligenz! Ich bin nicht „gegen Deutsch. Im Gegenteil! Ich fände es toll, wenn wir in Sachen IT, Diensten, Software endlich mal etwas geschissen bekämen. Als Experte kenne ich mich aber sehr gut aus. Als jemand, der für die Leitung der Software-Entwicklung zuständig ist, kann ich sehr gut abschätzen, was sinnvoll ist und was nicht. Ebenso wie der Markt aussieht und was die Konsumenten haben wollen. Sonst wäre ich nicht in meiner Position. Deswegen habe ich auch klar und deutlich gesagt, dass nur Nachmachen zu einem Flopp führt. So funktioniert Marktwirtschaft nun mal. Man muss etwas besser machen. Nur weil etwas Gleiche als einzigen Unterschied den Standort DE / EU bietet, ist es am Markt nicht gleich besser, da sich der Konsument (die kritische Masse, nicht einige Nerds und Experten!) überhaupt nicht dafür interessiert und deswegen nicht seinen genutzten Dienst wechselt. Also daher bitte richtig lesen und verstehen. Ich fände es toll, wenn das nächste große Ding endlich mal wieder aus DE oder wenigstens der EU käme. Aber einfach nur dieses „oh wir müssen diesem oder jenen aus China oder der USA entgegensetzen“ funktioniert einfach nicht. Das zeigt die Faktenlage. Also kann ich mir daher auch erlauben, dies so vorherzusehen. Das hat etwas mit Expertise zu tun und nicht mit Schlechtreden.

  4. Wenn alle begreifen, dass die destruktiven Social Media von Übersee keine wirkliche Alternative sind, dann hat W eine Chance. Wir sollten das im Eigeninteresse unterstützen. Wir werden es definitiv tun. X und Meta sind eine Katastrophe. Wir können nur hoffen, dass diese Plattform von der EU finanziert wird, damit sie sich nicht kommerzialisiert. Wenn doch, dann ist es leider eine Todgeburt.

  5. kann man sich dort denn schon anmelden? Bei mir funktioniert das leider nämlich nicht. Der Abschluss der Anmeldung klappt nicht aber es werden schon Beiträge und Kommentare angezeigt. Also sind ja Leute schon angemeldet.🤔

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