Apple & Google: Langjährige Suchmaschinen-Partnerschaft in Gefahr

Kartellklage gegen Google

Als Apples CEO Tim Cook und Googles Chef Sundar Pichai im Jahr 2017 dabei entdeckt wurden, wie sie gemeinsam in einem vietnamesischen Restaurant in Palo Alto, Kalifornien, Rotwein tranken, wurde eine mediale Lawine über die Beziehung der beiden mächtigsten Konzerne des Silicon Valleys losgetreten.


Seinerzeit standen Apple und Google in harten Verhandlungen bezüglich einer Abmachung, die es Google ermöglichte, die Standard-Suchmaschine auf Apples iPhones zu stellen. Heraus kam ein millionenschwerer Deal, von dem beide Unternehmen profitieren sollten. Schon im Jahr 2007 traf sich der damalige Apple-Geschäftsführer Steve Jobs mit den Google-CEOs Larry Page und Eric Schmidt zum Mittagessen auf dem Google Campus, um die Partnerschaft zwischen den beiden großen Konkurrenten voranzutreiben. Seit mehr als 15 Jahren existieren entsprechende Übereinkünfte.


„Wir haben diesen seltsamen Begriff im Silicon Valley: Koopetition. Es gibt einen brutalen Wettbewerb, aber gleichzeitig gibt es notwendige Zusammenarbeit.“

So äußerte sich schon Bruce Sewell, General Counsel von Apple von 2009 bis 2017, zu diesem Thema, das jüngst in der New York Times aufgegriffen wurde. Nicht immer waren die Wogen geglättet zwischen Apple und Google: Steve Jobs sprach gar von einem „thermonuklearen Krieg“ gegen Google, als er erfuhr, dass der Konzern an einer iPhone-Alternative arbeitete. Aber auch wenn Apple und Google in einigen Bereichen, darunter Kartenmaterial, Smartphones und Laptops, erbitterte Konkurrenten sind, wissen beide Unternehmen, ihre Synergien zu nutzen.

Apple-Geräte sorgen für fast 50 Prozent des Google Suche-Traffics

Nun jedoch ist die Partnerschaft in Gefahr: Am vergangenen Dienstag reichte das amerikanische Justizministerium eine wegweisende Klage gegen Google ein, den größten Kartellfall der US-Regierung seit zwei Jahrzehnten. In der Klage wurde das Websuche-Abkommen zwischen Google und Apple als Paradebeispiel für die illegale Taktik Googles zum Schutz eines Monopols und zur Abschwächung des Wettbewerbs angeführt.

Googles Websuche generiert 92 Prozent aller weltweit getätigten Suchanfragen im Internet, und Apple-Geräte sorgen für knapp die Hälfte von Googles Websuche-Traffic. Sollte Google diesen Suchmaschinen-Deal mit Apple verlieren, so wäre das ein „erschreckendes“ und „Alarmstufe Rot“-Szenario, wie die New York Times unter Berufung Google-interner Quellen berichtet. Apple verdient mit dieser Abmachung, nach der die Google-Suchmaschine standardmäßig in Apple-Produkte integriert wird, geschätzt zwischen 8 und 12 Milliarden USD pro Jahr, was etwa 14 bis 21 Prozent des jährlichen Profits ausmacht. Auch für Apple wäre ein negativer Ausgang der Kartellklage gegen Google demnach mit einigen Einschnitten verbunden.

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Kommentare 17 Antworten

  1. Folgerichtig wäre es nur. Denn durch diesen Deal hat kein Mitbewerber die Chance, auf diesem Markt Fuß zu fassen. Google blockiert mit dieser Menge an Geld jede Möglichkeit von Konkurrenz. Die meisten sind einfach zu faul oder wissen nicht, wie man die Suchmaschine ändert.

    1. Allerdings muss man auch erwähnen, dass andere Suchmaschinen nicht die Inhalte hervorbringt, wie es bei Google ist.
      Ich habe es schon erlebt, dass ich nach arbeitsrelevanten Dingen gesucht habe & die auf dem Arbeitsrechner vorinstallierte Suchmaschine, in dem Fall war es Bing, genutzt habe, das Ergebnis war ernüchternd und hat mir nicht weitergeholfen. Google hingegen hat mir sofort das angezeigt, was ich gesucht habe…

      1. Das stimmt. Was den Suchalgorithmus angeht macht Google keiner etwas vor. Aber wenn im Verhältnis viel weniger Bing nutzen, kann der Algorithmus auch nie so gut das ganze lernen.. Trotzdem sehe ich das auch so, mit Bing hab ich nie so schnell die Sachen gefunden die ich gesucht habe wie mit Google.

      1. @enoch: Leider nein. Ich habe im Laufe der Jahre mehrmals versucht, von Google auf DDG zu schwenken und musste leider zu Google zurück, weil DDG die Dinge nicht so findet, wie ich es erwarte.

        1. @zeroG: Nicht die Ergebnisse, wie Du es erwartest.
          Liegt da nicht der Hase im Pfeffer begraben? Durch das (Google-)Tracking findest Du die Daten Deiner gewünschten „Blase“.
          Ich nutze DDG und bin zufrieden, wie Du mit Deinen Google-Ergebnissen zufrieden bist. Letztlich sollte auch im Suchmaschinenbereich Wettbewerb herrschen.

          1. @enoch: Kann schon sein. Ich habe eine ungefähre Vorstellung wie Suchmaschinen arbeiten und es ist nicht von der Hand zu weisen, dass erst die Auswertung des Nutzerverhaltens die Suchergebnisse so macht, dass der Nutzer sie als nützlich empfindet. Segen und Fluch zugleich. Aber siehe auch, was die anderen hier über DDG geschrieben haben. Ich beäuge die Monopolstellung von Google durchaus sehr kritisch, daher immer wieder meine Versuche, auf DDG auszuweichen, und das schon seit 6-7 Jahren. Nur: eine Suchmaschine ist kein Selbstzweck. Will heißen: wenn die Hauptfunktion einer Suchmaschine, also das schnelle Auffinden relevanter Ergebnisse, nicht erfüllt ist, dann ist sie nutzlos. Da hilft es auch nicht, dass sie datenschutzfreundlich ist und nebenbei den Regenwald wieder aufforstet.
            Konkretes Beispiel: ich möchte den Inhalt des Art. 15 DSGVO haben. Gib mal bitte „15 DSGVO“ ein, einmal bei Google und einmal bei DuckDuckGo.
            Bei Google ist, das was ich haben will, gleich der erste Treffer in der Liste, nämlich das hier
            dsgvo-gesetz.de/art-15-dsgvo/
            Bei DDG ist das bei mir zumindest aktuell Treffer Nr. 7. Und ich möchte betonen, dass das _jetzt_ so ist. Bei den letzten Malen, als ich DDG genutzt habe vor einigen Monaten, war das von mir Gewünschte gerne auch mal auf Seite 2 oder 3 an 20. Stelle. Sorry, aber so leid es mir tut, solange das noch so ist, kann ich DDG nicht gebrauchen.

          2. @zeroG: Ich kenne mich nicht aus. Typischer Suchmaschinen-DAU eben. 😉
            Dein Link ist bei mir an der ersten Stelle. Aber ich kann Deinen Frust nachvollziehen. So ist eine „Suchmaschine“ nutzlos.
            Auf weiterhin gute Nutzbarkeit der favorisierten Suchmaschine.

          3. @enoch: Wie gesagt, ich möchte ja gerne dem Monopol entgegen wirken 😉
            Vielleicht hatte ich einfach noch nicht genug Geduld. Vielleicht passiert das was Du mit der Blase beschrieben hast bei uns beiden. Google kennt mich wohl so gut, dass es mir gute Suchergebnisse liefert. Vielleicht ist bei Dir mit DDG genau das selbe bereits passiert. Ist schon komisch, dass der selbe Suchbegriff bei mir zum Treffer an 7. Stelle führt, und das obwohl ich öfter danach gesucht habe (auch unter DDG), bei Dir aber an erster Stelle.
            Zumindest verhält sich DDG nicht ganz so intuitiv wie Google. Meine Betriebssysteme sind alle auf Englisch als Anzeigesprache eingestellt, jedoch als Region Deutschland. Dennoch nimmt DDG das zum Anlass, mir überwiegend englischsprachige Suchtreffer zu präsentieren. Das sogar dann, wenn der Suchbegriff eindeutig auf Deutsch ist. Sorry, das geht besser, und Google zeigt, wie es geht.

          4. Sehr interessanter Ansatz. Ich war jetzt mal neugierig und habe „15 DSGVO“ auch bei DuckDuckGo eingegeben. Nutze die Suchmaschine schon seit einiger Zeit. Bei mir sind die ersten beiden Treffer auch Links zum jeweiligen Gesetz, „Auskunftsrecht der betreffenden Person“, direkt das erste Ergebnis ist die von dir verlinkte Website. Bisher bin ich mit DDG auch zufrieden, Google vermisse ich nicht.

  2. Wenn Apple das mit dem Green Deal ernst nähme, könnte man ja mal über Ecosioa als Standardsuchmaschine nachdenken. Das wäre dann auch gleichzeitig ein Statement in Richtung Nachbarschaft im Silicon Valley.

  3. Auch ich habe in der Vergangenheit immer mal wieder andere Suchmaschinen getestet und mache das auch aktuell und zukünftig immer mal wieder. Die Macht großer Konzerne mit (Quasi-)Monopolstellung hat Nachteile und wird von mir ebenfalls sehr kritisch bewertet.
    Doch trotzdem meine Standard-Suchmaschine ist und bleibt Google! Alles andere stellt sich unterm großen Strich der von Qualität und Usability leider immer wieder als das deutlich größere Übel heraus.

  4. Ich bin gerade testweise zu bing übergegangen, weil mir die permanente und penetrante Cookiezustimmung und die nicht weniger penetrante „Bitte“ auf den iDevices doch die Google-App zu installieren zunehmend auf die Nerven gegangen ist. DDG hab ich vorher probiert – das lohnt sich aus Ergebnissicht nicht.

  5. Google liefert selbstverständlich die allerbesten Ergebnisse, aber ich halte ECOISA für die beste Alternative zu den etablierten Großen. Da Ecosia auf den Algorithmus von Bing zurückgreifen darf, sind die Suchergebnisse zuverlässig. Außerdem trägt man bei Benutzung von Ecosia zum Klimaschutz bei, ganz nebenbei, kostet auch nix, aber halte ich für super wichtig. Ecosia unterstützt Baumpflanzprojekte in über 15 Ländern und mit ihrer Hilfe sind weltweit schon mehr als 100.000.000 Bäume gepflanzt worden.

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