Die chronische neurologische Erkrankung Migräne gilt als eine, die die Erkrankten am meisten im Alltag einschränken. Ich weiß, wovon ich rede, denn auch ich bin seit meinem jungen Erwachsenenalter davon betroffen. Nicht selten wird im Zuge der Behandlung auch vom ärztlichen Personal vorgeschlagen, ein Migräne-Tagebuch zu führen, um Häufigkeiten der Anfälle, eingenommene Medikamente, mögliche Auslöser und damit einhergehende Symptome festzuhalten. Auf diese Weise lassen sich möglicherweise Muster erkennen, die bei der gezielten Bewältigung helfen können.
Natürlich gibt es im App Store so einige Migräne-Anwendungen, teils auch mit horrenden Abo-Gebühren oder In-App-Käufen. Die iPhone-App Migrania (App Store-Link) verfolgt einen in allen Belangen angenehmeren Ansatz. Die App ist nicht nur komplett kostenlos und verzichtet auf Werbung, Abos oder In-App-Käufe, sondern will vor allem ein digitales Migräne-Tagebuch sein, das sich möglichst schnell bedienen lässt. Attacken und Medikamenteneinnahmen können innerhalb weniger Sekunden erfasst werden, idealerweise auch dann, wenn gerade eigentlich niemand Lust auf komplizierte Formulare hat. Statt sich durch zahlreiche Eingabefelder zu hangeln, startet eine neue Episode mit sinnvollen Voreinstellungen, Details lassen sich anschließend per Tipp ergänzen.
Beim eigentlichen Tracking können Nutzer und Nutzerinnen in Migrania unter anderem Beginn und Ende einer Episode, Schmerzstärke, Schmerzseite und Schmerzqualität, Symptome sowie eingenommene Medikamente dokumentieren. Auch eine Freitextnotiz ist möglich. Die Idee dahinter: Man muss nicht jedes Mal einen kompletten umständlichen Datensatz pflegen, sondern kann genau so viel festhalten, wie gerade sinnvoll ist. Die gesammelten Episoden landen anschließend in einer übersichtlichen Kalenderansicht, so dass sich die eigene Migräne-Historie Monat für Monat nachvollziehen lässt.
Diagramme statt Bauchgefühl

Interessant wird es dann auch bei der Auswertung, denn Migrania macht aus den eigenen Einträgen übersichtliche Diagramme und zeigt beispielsweise Dauer, Schmerzstärke, Zeitpunkte und Medikamenteneinnahmen über frei wählbare Zeiträume. Dabei bleibt die App bewusst beschreibend: Sie verspricht weder Diagnosen noch Vorhersagen oder medizinische Bewertungen. Das ist weniger spektakulär als manche KI-basierte Features im Gesundheitsbereich, hält sich aber mit kurzen Auswertungen rein an die eingepflegten Datensätze.
Ein weiterer Baustein dürfte vor allem dann interessant sein, wenn die App nicht nur als persönliches Tagebuch dienen soll, da sich die gesammelten Daten auch als PDF exportieren lassen. So entsteht aus dem digitalen Tagebuch ein Bericht, der sich beispielsweise zu einem Arzttermin mitnehmen oder teilen lässt. Zusätzlich bietet Migrania einen Backup-Export an, mit dem sich das Tagebuch sichern und auf einem neuen Gerät wiederherstellen lässt.
Bei Gesundheitsdaten ist die Frage nach dem Speicherort naturgemäß wichtiger als bei einer gewöhnlichen Notiz-App. Migrania setzt laut Entwickler auf eine lokale Speicherung, bei der die Einträge grundsätzlich auf dem Gerät bleiben. Eine optionale iCloud-Synchronisierung ist standardmäßig deaktiviert und soll über die private iCloud des Users Ende-zu-Ende-verschlüsselt funktionieren. Ein eigenes Konto ist nicht erforderlich.
Hinter Migrania steht der deutsche Indie-Entwickler Christopher Brock aus Düsseldorf, der die App nach eigenen Angaben aus persönlicher Erfahrung mit Migräne entwickelt hat. Sein Problem war ziemlich klassisch: Der Papierkalender aus der Arztpraxis war nicht immer griffbereit, während andere Apps die Dokumentation mit langen Formularen unnötig mühsam machten. Migrania soll deshalb vor allem dann funktionieren, wenn gerade eine Migräneattacke läuft und man möglichst wenig auf dem Smartphone herumtippen möchte. Die deutsch lokalisierte und von mir mit einer großen Empfehlung versehene App ist vollständig gratis zu nutzen, aktuell ausschließlich für das iPhone verfügbar, und setzt iOS 18.0 oder neuer sowie rund 11 MB an freiem Speicherplatz voraus. Weitere Infos zu Migrania gibt es auch auf der offiziellen Website zur App.

Hallo Mel, ganz herzlichen Dank fürs Vorstellen und Teilen von Migrania! Als Einzelentwickler ist es schwer, überhaupt sichtbar zu werden, und so ein Artikel ist eine riesige Hilfe.
Dass du selbst seit Jahren mit Migräne lebst, tut mir leid. Umso mehr freut es mich, dass die App aus deiner Sicht funktioniert.
Rückmeldungen von Betroffenen sind für mich unglaublich wertvoll. Vieles in der App geht direkt auf Wünsche und Hinweise zurück, die mir Leute mitgeteilt haben. Wenn du oder jemand hier etwas vermisst oder etwas nicht rund läuft, schreibt es gern in die Kommentare oder teilt es mir direkt über die Feedbackfunktion in der App mit.
Viele Grüße aus Düsseldorf
Christopher