Computergestützte Fotografie hat sich in den vergangenen Jahren vom Smartphone-Trick zum festen Bestandteil moderner Kameratechnik entwickelt. Das Entwicklerteam von Creaceed will diesen Ansatz nun auf die nächste Stufe heben und stellt mit HyperRAW ein offenes Dateiformat für computergestützte Fotografie vor. Parallel erscheint Hydra in Version 3.0 (App Store-Link), die erste Anwendung, die das neue Format unterstützt.
Die Idee hinter HyperRAW ist schnell erklärt: Statt ein Foto früh fertig zu berechnen, sollen möglichst viele originale Sensordaten erhalten bleiben. Mehrere Aufnahmen können dabei zusammengehören und später von einer Software kombiniert werden. Hydra verfolgt diesen Ansatz bereits seit 2015 und setzt unter anderem auf zeitliche Lichtakkumulation, um Rauschen zu reduzieren, Details zu verbessern und die effektive Bildqualität kleiner Sensoren zu steigern.
Genau an dieser Stelle setzt HyperRAW an: Laut Creaceed soll die Aufnahme stärker von der späteren Bildentwicklung getrennt werden. Ein Foto könnte also mit heutiger Hardware aufgenommen, aber Jahre später mit besseren Algorithmen neu entwickelt werden. Das eröffnet nicht nur Möglichkeiten für Smartphones, sondern auch für DSLRs, Drohnen oder sogar Satellitenkameras. Auch HDR- und Fokus-Stacking-Aufnahmen lassen sich auf diese Weise flexibler speichern.
Adobe DNG als Fundament

Technisch baut HyperRAW auf Adobe DNG auf. Das soll die Einstiegshürde niedrig halten und eine Grundlage schaffen, die bereits von zahlreichen Kameras und RAW-Programmen unterstützt wird. Gleichzeitig erweitert Creaceed das Konzept um zusätzliche Sensordaten und sogenannte Lichtakkumulationskarten, die für die spätere KI-Verarbeitung genutzt werden können. Im Laufe des Jahres 2026 soll außerdem eine portable Open-Source-Referenzimplementierung erscheinen, zunächst für iOS, iPadOS, macOS und Android.
Das Update der App Hydra auf Version 3.0 macht HyperRAW zudem direkt in der Praxis nutzbar. Mit dem neuen Aftershot-Modus werden Aufnahmen unmittelbar als HyperRAW gespeichert, während die aufwendigere Entwicklung später erfolgen kann. Das ist vor allem für Serienaufnahmen interessant: Statt nach jedem Bild auf die Verarbeitung zu warten, kann man weiter fotografieren und die Entwicklung anschließend erledigen. Im Fusion-Modus werden mehrere Aufnahmen bereits vor dem Speichern zur Lichtakkumulation kombiniert, während der Bracket-Modus die einzelnen Ausgangsbilder vollständig erhält.
KI-Bearbeitung mit 32 Bit

Auch nachträglich lassen sich HyperRAW-Fotos so bearbeiten, als wären sie gerade erst aufgenommen worden. Hydra 3.0 bietet dabei eine KI-gestützte Parameteroptimierung und eine vollständige Bildbearbeitung mit 32-Bit-Präzision. Dazu kommen flexiblere Speicheroptionen: Neben der iOS-Fotobibliothek können Fotos und HyperRAW-Dateien auch bei unterstützten Drittanbieter-Synchronisationsdiensten und anderen Speicherorten abgelegt werden. Eine überarbeitete Galerie soll die Verwaltung dieser verschiedenen Speicherorte erleichtern.
Hydra 3 (App Store-Link) ist ab sofort kostenlos im App Store erhältlich und unterstützt iPhone und iPad ab iOS 18.0, wobei mindestens ein iPhone XR/XS oder neuer erforderlich ist. Die Unterstützung für Apples Liquid Glass setzt iOS 26.0 voraus. Der normale Aufnahmebetrieb inklusive RAW, Apple ProRAW auf kompatiblen Geräten und HyperRAW ist kostenlos. Für uneingeschränkte KI-Aufnahmemodi und wasserzeichenfreie Ergebnisse verlangt Creaceed entweder einmalig 23,99 Euro für das Pro Pack 3 oder 3,99 Euro pro Monat beziehungsweise 9,99 Euro pro Jahr im Pro-Abo. Die Bestandskundschaft mit Pro Pack 2 kann zeitlich begrenzt für 7,99 Euro upgraden. Die HyperRAW Open Source-Bibliothek soll noch in diesem Jahr folgen.
