65 Jahre nach dem Bau der Berliner Mauer bringen WDR und MDR die deutsche Teilung per Augmented Reality ins Klassenzimmer. Die kostenlose App „OstWest Zeitzeugen – Mauerjahre in AR“ ist seit gestern im deutschen App Store verfügbar und richtet sich vor allem an Schülerinnen und Schüler ab der 9. Jahrgangsstufe. Statt Geschichte nur aus Büchern zu lernen, können Jugendliche drei Zeitzeugen virtuell in ihrer eigenen Umgebung begegnen.
Im Mittelpunkt stehen Elke Rosin, Jörg Hildebrandt und Uwe Rutkowski. Ihre Lebenswege zeigen, wie unterschiedlich Menschen die Grenzschließung am 13. August 1961 erlebten. Rosin floh mit ihrer Familie kurzfristig nach West-Berlin, während Hildebrandt trotz seiner Kritik am DDR-System im Osten blieb. Rutkowski war als Volkspolizist sogar an der Bewachung der Grenze beteiligt und entwickelte dabei zunehmend Zweifel. Fotos, Audios, Texte und Illustrationen ergänzen ihre persönlichen Erzählungen.
Die App will aber nicht nur fertige Geschichten erzählen. Schüler und Schülerinnen können selbst Fragen an die Zeitzeugen stellen und damit die weitere Entwicklung des Projekts beeinflussen. Noch bis Anfang Oktober 2026 können Jugendliche aus ganz Deutschland ihre Fragen über ein Online-Formular einreichen. Ausgewählte junge Menschen bekommen anschließend sogar die Gelegenheit, ihre Fragen persönlich im Studio zu stellen.
Von Jugendlichen mitentwickelt

Das Konzept entstand nicht am Reißbrett: Schüler und Schülerinnen aus Partnerschulen in Köln, Bergheim, Neuss, Halle und Leipzig waren von Anfang an beteiligt. Hunderte weitere Jugendliche nahmen an Online-Umfragen teil, auch Lehrkräfte brachten ihre Erfahrungen ein. So soll die App möglichst nah an den Interessen ihrer eigentlichen Zielgruppe bleiben. Die Zusammenarbeit mit der Hochschule Düsseldorf knüpft dabei an frühere AR-Projekte wie „WDR AR 1933–1945“ an.
OstWest Zeitzeugen ist als langfristiges Projekt angelegt. Bis 2029 sollen regelmäßig neue Kapitel hinzukommen, darunter eine interaktive Wissenswelt. Die Fragen und Erfahrungen der Jugendlichen sollen dabei direkt in die Weiterentwicklung einfließen. Unterstützung gibt es unter anderem von der Stiftung Berliner Mauer und der LandesschülerInnenvertretung NRW.
Neben der App stehen kostenlose Unterrichtsmaterialien bereit, die gemeinsam mit „planet schule“ und Lehrkräften entwickelt wurden. Auch bei der Barrierefreiheit setzt das Angebot auf digitale Standards: Untertitel, Screenreader-Kompatibilität, Tastaturbedienung und kontrastreiche Darstellungen sind integriert. Wer kein AR-fähiges Gerät nutzen kann, findet die Inhalte außerdem frei zugänglich auf der begleitenden Website.
OstWest Zeitzeugen ist als frei zugängliche Anwendung für iPhones und iPads kostenlos erhältlich, nimmt rund 1,2 GB an Speicherplatz in Anspruch und kann ab iOS/iPadOS 15.0 oder neuer installiert werden. Weitere Inhalte sollen bis 2029 folgen, auch eine Android-Version ist bei Google Play vorhanden.

Realistisch wäre auch, wenn Vopos gezeigt würden, die aus Überzeugung andere erschossen haben (und dafür „belohnt“ wurden), weil diese von einem Teil in den anderen Teil der Stadt wollten.